German Article - Irland Edition Magazine September / October 2010

December 5, 2013

German Article published in Irland Edition Magazine – September/October 2010

Click here to download German Article

Kells Bay Gardens
Wer regelmäßig in Irland urlaubt, hat sich ja schon an die vielen Vorgarten-Palmen und das oft mediterrane Flair gewöhnt. Hier aber wird Urwald-Vegetation auf die Spitze getrieben. Die größte Palme Europas und riesige Baumfarne wie aus einem „Land vor unserer Zeit“ sind nur zwei der beeindruckenden Blickachsen in dieser außergewöhnlichen Pflanzensammlung mit dem fantastischen Panorama der Dingle Bay. Selbst für Einheimische ist dieser Ort fast unbekannt.
Subtropischer Urwald
Reisen & Erleben
Zwei Orte in Irland tragen diesen Namen: Kells. Einmal im Osten in Verbindung mit dem “Book of Kells“ und dann am nördlichen Rand des Ring of Kerry. Der Weg zu diesem
außergewöhnlichen Refugium zweigt von der Hauptstraße N 70 des Ring of Kerry auf halber Strecke zwischen Glenbeigh und Cahersiveen zu dem kleinen Örtchen Kells ab.

Ein unscheinbares Schild weist den Weg, man muss wissen, wohin man will – sonst verpasst man diese Abfahrt. Da die Ringstraße relativ weit oben liegt, geht es standing bergab durch kleine und kleinste Wege. Wieder hat man das Gefühl, völlig falsch zu sein. Kann hier einer der ungewöhnlichsten Gärten Irlands liegen? Doch plötzlich auf der rechten Seite des schmalen Weges eröffnet eine alte Einfahrt den Zugang zu einer märchenhaften Welt. Sofort umhüllt den Besucher urzeitliche Vegetation, ein Wasserfall, ein sich zwischen riesigen Farnen windender Weg, mit einem Schlag hat man eine Zeitreise hinter sich.

Wer die Haus-Grundstücke in Dublin kennt mit ihren kleinen ummauerten Gärten, kann sich vorstellen, wie sich Gartenfans in diesem Umfeld fühlen. Für Billy Alexander war es irgendwann soweit, sich ein paar Fragen zu stellen. Sein Job in einem Büro und sein Haus mit dem Minigärtchen waren nicht das, was er sich als Gartenfreund langfristig vorstellte. „Vier mal 15 Meter waren mir viel zu klein.“ Billy wollte etwas mehr Wasser, ein paar alte Bäume, mehr Blickfreiheit. Das ist in einem mit einer Backsteinmauer eingegrenzten Stadtgarten in Dublin schwierig umzusetzen. Doch die Sehnsucht wurde größer und so entstand seine Checkliste mit Wünschen für ein großes Gartengrundstück: ein bisschen Wasser, große und alte Bäume, Aussicht, verschiedene Klimazonen, Spazierwege, viele Blüten, abwechslungsreiche Vegetation – mit dem Areal in der Kells Bay an der nördlichen Seite des Ring of Kerry konnte er an all diese Punkte einen dicken Haken machen. Vor rund vier Jahren kaufte Billy Alexander dieses Gelände. Es war eine frühere „Hunting Lodge“ und wurde von den begüterten Familien aus Tralee genutzt. In nur einer Tagesreise kam man bequem zu seinem Jagdrevier.

Es war und ist immer noch ein gewaltiges Stück Arbeit. Das Gelände war überwuchert und herunter gekommen. Der erste Schritt begann damit, die noch vorhandenen Wege von Gestrüpp und Überwucherungen zu befreien. Dann galt es, die vorhandenen gesunden Pflanzen, alte Baumbestände und den Flusslauf zu retten. Schon da beginnt die Schwierigkeit: was ist eigentlich erhaltenswert. Bei der unglaublichen Menge an Pflanzensorten war die
Zuordnung teils schwierig. Aber der Gartenfan kämpfte sich mit wenigen Freunden durch das Dickicht. Und der kleine Fluss? Der war anfangs nur zu hören, nicht aber zu sehen. Heute ist er ein romantischer Platz, an dem man sich länger aufhalten möchte, als die Besuchszeit hergibt. Und noch etwas erstaunt. Es sind bei unserem Besuch war die Lufttemperatur nur 15 bis 17 Grad. Aber durch die Sonne und das geschützten Gelände fühlte es sich an wie
25 Grad. Da ist die Wetterjacke völlig fehl am Platze. Kaum Wind, viel Sonne. Eine perfekte Umgebung für Pflanzen, die man hier sonst nicht vermuten würde. Und als Zugabe: Natürliche Stille. Es ist eine Oase der Entspannung mit einem ganz besonderen Charakter. Das verführt zu Spaziergängen, bei denen man keinen Kompass braucht: über die Rundwege kommt man immer wieder an den Ausgangspunkt zurück: den Platz vor dem Cafe.

Die beste Zeit für Besuche? Das kommt auf die individuellen Vorlieben an. Im April und Mai ist „der Wald“ vor allem voller Farben. Die unzähligen Blüten und die unterschiedlichen
Grüntöne der Pflanzen, dazu die Geräuschkulisse von Vögeln und Insekten – das hat schon etwas.Wohlfühlen und Wiederkommen Erobern Sie Valentia Island und den Ring of Kerry von Portmagee aus. Gemütlicher Pub, feines Restaurant, luxuriöses Guesthouse, außergewöhnlicher Geschenkeladen und ein herzliches Willkommen. Ein perfekter Platz zum Verweilen. Informieren und buchen auf der ausführlichen Website: www.moorings.ie. Tolle Arrangements und Angebote auch für die Umgebung. paradiesisches.Im Herbst wiederum
gibt es ganz andere Eindrücke, die nicht weniger faszinierend sind.E tw a s f r e i e r
formuliert: Das ist mal eine völlig andere Form von „Walled Garden“. Die Pflanz e n s a m m l u n g beschränkt sich nicht nur auf die Sorten, die in Irland historisch belegt vorhanden
waren. Billy sorgt für „Multikulti“ a uf engs tem Raum: Pflanzen aus Neuseeland,B a m b us a us China, Australien ist ebenso vertreten. Für das Gartengenie ist das gesamte Gelände ein sich e n t w i c k e l n d e s G e s a m t k u n s t – werk. Ob chinesisches Waldland oder urzeitliche Farnwälder, irische Sumpflandschaften, afrikanische Savanne oder japanische Gartenkunst – hier gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. „Wer in einem Jahr
wieder kommt, findet teilweise völlig neue Eindrücke.“ Zwischendurch stehen Skulpturen und bildende Kunst. Überall sind neue Blickachsen zu entdecken. Und so hört die Arbeit nie auf: ständig wird neues gepflanzt, altes rausgerissen, neue Wege angelegt, kleine Besonderheiten installiert.

Eine geführte Tour durch die immerhin 17 Hektar Land dauert ein bis zwei Stunden. Je nach Interessenlage der Gruppenteilnehmer. Allerdings: man sollte sich danach die Zeit nehmen und das Gelände noch einmal durchstreifen. Es sind zahllose Details, die zum Innehalten verführen. Der kleine Fluss rauscht, der See schimmert in der Sonne, die Blicke machen ruhig und der Gang unter den Baumfarnen wirkt unwirklich. Es gibt verschiedene Rundwege wie den „Red Walk“ oder den „Green Walk“, letztlich kann man jede der kleinen Nischen erobern. Danach wird es Zeit für einen Kaffee oder eine Erfrischung und ein kleiner Snack.
Wer einen Urlaub plant und länger dieses ungewöhnliche Ambiente genießen will, kann auch auf Zimmer zurückgreifen.Am Schluss eine weitere Überraschung. Es können auch
Touristenbusse kommen. Das, was ich als PKW-Fahrer nicht für möglich halten würde, ist Realität. Ausflügler werden am Eingangstor abgesetzt, der Bus fährt weiter an den Hafen weiter unten, wendet dort und wartet auf seine Gäste, wenn die mit ihrer Tour fertig sind. So einfach kann es sein.Insoweit bleibt diesem Kleinod nur zu wünschen, dass die Touristen darauf aufmerksam werden und diesen besonderen Platz für sich entdecken. Denn es gibt viel zu entdecken:

www.kellsgardens.ie.